„Frühling hinter dem Siebengebirge“
von Gerry Wanda, 13.05.2010
Wenn das die Zwerge wüssten!! Von Mainz aus gesehen ja! Aber für uns will der Programmtitel nicht so richtig passen, an diesem herrlich früh
lingshaften 27. April. Liegt doch unser Startort Niederdollendorf von Bergisch Gladbach aus gesehen, in etlicher Entfernung vor den sieben Bergen. Egal, wir werden schauen, wie sich der Frühling in Siebengebirgsnähe mausert. Rein geographisch gesehen, müsste er etwas weiter sein als in Gladbach. Erstens liegt das Gebiet südlicher und zweitens ist das dortige Rheintal sonnenbegünstigter als das Bergische Land. Dort beginnen übrigens die nördlichen Anbaugebiete des Rheinweines. Nur wenige Winzerbetriebe sind hier in Nordrhein-Westfalen ansässig. Das Hauptanbaugebiet des Rheinweines befindet sich weiter südlich, in unserem Nachbarland Rheinland-Pfalz.
Um die 20 Wanderfreunde/innen sind gegen 9 Uhr am S-Bahnhof eingetroffen. Wir nehmen die S-11 bis Köln-Deutz-Messe, wechseln da in den Regionalex
press Richtung Koblenz. Nach gut 40 minütiger Fahrzeit und wenigen Stopps ist Niederdollendorf erreicht. Auf dem Bahnhof ergreift unser Wanderführer Christoph Schmutzler die Gelegenheit zu einer eingehenderen Begrüßung der Teilnehmer, erklärt den Verlauf der Wanderung und gibt den Ort unserer späteren Einkehr bekannt. Ein gemeinsames Frisch Auf! und los geht’s.
Wir gehen ein Stück die Hauptstraße entlang, biegen dann links ab und durch ein paar Nebenstraßen steuern wir direkt auf einen Weinberg zu. Wie eine Hinweistafel davor erklärt, bildet dieser einen Teil des hier beginnenden Weinwanderweges Oberdollendorf. Der Anstieg lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass dieser Weg oft und gerne für die Gassirunde von Hunden jeder Größe genutzt wird. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Umstand nicht nachhaltig auf das Bouquet des hiesigen Weines auswirkt. Schon während des Anstiegs bietet sich ein herrlicher Ausblick auf Niederdollendorf, mit Bonn in nordwestlicher Richtung und Bad Godesberg mit Godesburg in westlicher Richtung im Hintergrund. Wir passieren das Gipfelkreuz, folgen den Weg noch einige Minuten und erreichen einen Aussichtspunkt mit herrlichem Rundblick. Neben dem bereits erwähnten Niederdollendorf, Bonn und Bad Godesberg liegen nun in südlicher Richtung Teile des Siebengebirges vor uns. Man erkennt die Ruine der Burg Drachenfels, den Petersberg, den Nonnenstromberg. Bereits im 1. Jahrhundert nach Chr. entstanden im Siebengebirge die ersten römischen Steinbrüche. Es wurde Trachyt abgebaut, das mit Schiffen auf dem Rhein abtransportiert wurde. In späterer Zeit wurde das hier abgebaute Gestein zum Bau vieler rheinischer Kirchen verwendet. Der Bau des Kölner Doms wurde 1248 mit Steinen aus dem Siebengebirge begonnen. Der Aussichtsplatz, teils etwas vandalisch von irgendwelchen Grillenthusiasten genutzt, bietet eine gute Gelegenheit zu einer kleinen Trinkpause. Über uns kreist ein Greifvogel durch die Lüfte.
Bisher war der Frühling auf Schritt und Tritt unser ständiger Begleiter. Überall grünt und blüht es. Rapsfelder erstrahlen in hellem gelb. Im weiteren Verlauf durchwandern wir Teile des Dollendorfer Hardt. Eine sonnige Anhöhe mit Wegkreuz und Bank lädt zu einem erneuten Verweilen ein. Dieter spendiert eine Runde Bounty. Mit diesem Energieschub aus Schokolade und Kokosflocken ziehen wir weiter unseres Weg´s, dem Ziel unserer Einkehr entgegen; dem Kloster Heisterbach.
Bei mir werden Erinnerungen an längst vergangene Tage wach. War doch Kloster Heisterbach ein überaus beliebtes Ziel unserer Schulausflüge. Insbesondere dann, wenn unser Religionslehrer mit von der Partie war. Vor der Chorruine kamen dann immer die gleichen Preisfragen: „Ungefähres Erbauungsjahr, nur ungefähr, es kommt auf ein oder zwei Jahre nicht an?, Welchem Orden gehörte diese Abtei?, Kennt jemand die Größe der Abteikirche?, Richtig; und damit wurde sie an Größe nur übertroffen von?, Richtig, vom Kölner Dom!“ Man mag mir den kleinen Schlenker in die Vergangenheit verzeihen.
Vorbei am barocken Eingangsgebäude zur Abtei folgen wir dem Schild Klosterstube, das uns in einen architektonisch neuzeitlichen Innenbereich des Klostergeländes führt und neben dem Restaurant auch ein Seniorenwohnheim beherbergt.
Die Klosterstube selbst erweckt auf den ersten Blick den Eindruck einer gepflegten Kantine. Das mag an der Möblierung durch 6-er Tische liegen. Die Speisekarte ist umfangreich, kleine Gerichte, große Gerichte, Fleisch- und Fischgerichte, diverse Salate. Speisen und Getränke, alles zum vernünftigen Preis. Fast alle Gerichte werden auch als ½ Portion zum ½ Preis angeboten. Daneben gibt es noch eine Tageskarte und zum Zeitpunkt unseres Besuchs eine Spargelkarte. Schmackhaftes, reichhaltigen Essen. Freundliche, flinke Bedienung. Ein hervorragendes Preis- Leistungsverhältnis. Die Klosterstube im Kloster Heisterbach ist eine Empfehlung wert.
Gut gestärkt, dem Einsetzen der postfressalen Müdigkeit zuvorkommend, machen wir uns auf die letzte Etappe unsere Wanderung. Dem Weg zurück zum Bahnhof. Etwa eine halbe Stunde werden wir brauchen. Das trifft in etwa mit der Abfahrt unseres Zuges zusammen. Genau so kommt es. Quasi gleichzeitig treffen Zug und Gruppe am Bahnsteig ein. Sekundengenaues Timing, besser kann es nicht klappen und nach ca. 1 Stunde Fahrzeit, wieder über Deutz, kommen wir in Gladbach an. Den Frühling am Siebengebirge haben wir jedenfalls gefunden. Hoffentlich bleibt er auch ein bisschen. Eine Wanderfreundin aus Dürscheid richtet einige Worte des Dankes an Christoph, dem wieder eine wunderbare Wanderung gelungen ist. Die Gruppe bestätigt das mit einem 3-fach herzlichen Frisch Auf! und ein kleiner Kern lässt diesen schönen Wandertag bei einem Absacker ausklingen.
Na, dann Prost!
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Die Bilder wurden von unserem Wanderfreund
Norbert Grätz
zur Verfügung gestellt
Quellennachweis: Foto (Siebengebirge um 1900 ) Original image: Photochrom print (color photo lithograph)
Reproduction number: LC-DIG-ppmsca-00875 from Library of Congress, Prints and Photographs Division, Photochrom Prints Collection
Der Sonne entgegen, von Ost nach West mehr






