Wanderungen auf Mallorca
vom 24.April-8.Mai.2010
Die zweite Woche
von Norbert Dietrich, 12.05.2010
Von Bunjola nach Valldemossa
Heute heißt es: Treffpunkt 8 Uhr 20 am Mäuerchen, 1/2 9 geht die Straßenbahn nach Soller, 9 Uhr 15 der ROTE BLITZ in Richtung Palma. Wir nehmen Platz in den Eisenbahnabteilen. Innenausstattung nostalgisch aus den Jahren 1929/1930 wie die einzelnen Waggons ebenfalls. Draußen hängen die Wolken tief und von der kurvenreichen Fahrt hinauf zum Tunnel Major ist kaum etwas zu sehen. Nach der Durchquerung des über 2800 Meter langen Tunnels steigen wir auf dem Bahnhof von Bunjola aus. Der Stationsvorsteher entwertet noch mit der altbekannten Lochzange bei jedem der Wanderer das Fahrtticket. Wir überqueren die Eisenbahnstrecke und wandern in Richtung der Straße C711, die Soller mit Palma verbindet. Auf der anderen Straßenseite beginnt ein Fahrweg, der im Laufe von etwa 20 Minuten zu einem Saumpfad wird. Zwischen Steinmauern wo sonst Geckos zusehen sind, beleben heute Helix Balearis (Schnecken) das Bild, bei den Mallorquinern eine absolute Delikatesse. Nach dem Regen sind die Schneckensammler mit Eimern unterwegs auf Beutejagd. Efeu und Feigenbäume voller Früchte, der Balearen Affodill und Trupps vom Ahronstab am Wege. Nach gut einer Stunde schwenken wir rechts, nahe dem Landgut RAIXA mit seinen arabischen Gärten, in Richtung der Finca Pastorix. Das Landgut ist für Besucher geöffnet, die Inselregierung hat vor einigen Jahren den Verkauf an Jil Sander abwenden können. Der Weg ist zu beginn wegen des Regens der letzten Wochen schlammig und wir wachsen alle langsam in die Höhe, der Torrente d"en Colomera de Linfern nimmt uns jetzt gefangen. Regen beginnt vom Himmel zu fallen. Durch meterhohes Schneidegras, über große Steinmuggeln im Bachbett, dazu diverse Klettereinlagen um oder über gestürzte Bäume hinweg, wahrlich kein Zuckerschlecken. Der Regen wird immer heftiger und es grenzt an ein Wunder das keiner von uns stürzt oder sich anders verletzt. Endlich links der gut zuerkennende Ausstieg aus dem Torrent, vorbei an einem alten Kohlenmeiler bis zu einem Tor an einer schmalen Straße. Alle sind wir nass von Kopf bis Fuß, wo läuft das Wasser rein, wo läuft das Wasser raus? Der Wanderführer wechselt sein nasses Hemd unter einem Regenschirm, das neue Hemd ist im Augenblick wieder pitschnass. Strecke abkürzen und auf dem kürzesten Wege nach Valldemossa. Mit Petra's Handy Anruf im Hotel, kann uns alsbald ein Bus in Valdemossa abholen? Wir sind nass wie Mittelmeer Fische, ok 14 Uhr Abholung in Valldemossa. Es regnet ohne Unterlass. Die Straßen gleichen Bächen. In Valldemossa können wir verschnaufen, Gasheizstrahler und Regenschutz vor einem Restaurant lassen heiße Schokolade, heißen Café, einen Brandy und Café Americano die Welt wieder in einem angenehmeren Licht erscheinen. Leider ist der eingeplante Aufenthalt nach der Wanderung, um sich diesem kulturellen Erbe der Insel zuzuwenden, im wahrsten Sinne dem Wasser geopfert worden. Draußen noch einige Minuten warten, dann ist der Bus da! Gegen 15 Uhr sind alle glücklich, um schnell unter die warme Dusche zu hüpfen.
Prognose für morgen 90% Regenwahrscheinlichkeit.
Der nächste Morgen.
Der Tag ist zur persönlichen Gestaltung frei. Es regnet ohne Unterlass. Der Sturm in der Nacht hat die Arbeit der letzten Woche, die für die Strandverschönerung in Erwartung der Sonnenanbeter und Badelustigen erfolgte, zu Nichte gemacht. Michael macht das Piano bespielbar und spielt nach dem Frühstück gut 2,5 Stunden Melodien die allen gut gefallen, wie der Applaus beweist. Gegen Mittag hellt es auf, ein Abstecher in den Hafen lässt Segler sehen die aufs Meer hinaus fahren. Im Hotel mit Handy angerufen, Josef sagt allen die noch greifbar sind Bescheid. 13 Uhr Abmarsch am Hotel, eine Wanderrunde über Sa Figuera, hier hat Herbert Grönemeyer ein Anwesen ebenso der ehemalige Fußballspieler Jüppchen Kapellmann, der heute Chirurg ist, die Familie lebt hier. Vom Hotel laufen wir Richtung Hafen, schwenken nach rechts, in die im Rahmen des Tunnelbaues neu gestaltete, mit zwei Kreisverkehren versehene, Ortsrandlage ein. Gut eine Stunde gehen wir jetzt bergauf an Orangen und Olivenhainen entlang, einige Anwesen schmücken sehr schöne Rosenhecken, Artischocken blühen, Dattelpalmen mit Fruchtständen, Mittagsblumen rosa und gelb, Klatschmohn und Schopflavendel sind zu sehen. Der Einstieg auf den Cami de Sa Figuera ist erreicht. Stetig bergan mit immer neuen Ausblicken auf Porto de Soller bieten sich unseren Augen. Unterhalb des Mirador de ses Barques auf gut 430 Meter Höhe gehen wir ein Stück des Weges in Richtung Fornalutx, schwenken dann auf den Cami de sa Cappaleta. Zwischen engen Steinmauern steigen wir nun abwärts in Richtung Soller, überqueren die C710 die nach Pollenca führt. Auf der anderen Seite gehen wir an der Capelleta Santuria de la Immaculada nicht achtlos vorbei. Wollen einen Blick in das Innere tun, leider ist alles verschlossen, ob in dem ehemaligen Kloster noch Klosterleben den Alltag prägt? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Einige wenige Meter bis an den Barranc von Biniaraix, dessen Wasser an einen tobenden Gebirgsfluss erinnern. Am Fußballplatz gehen wir in Richtung Centro. An der Placa Constutio mit der doch sehr interessanten Architektur, suchen die einen den besten Mandelkuchen, andere zieht es zur Eisfabrik und ganz Durstige erfreuen sich am GRANDE Cerveza, Prost! Zurück zum Hotel Marbell, entweder als Fahrgemeinschaft im Taxi ca.2,80 € bei drei Personen oder 4 € Einzelfahrt mit der Straßenbahn, der Optimismus für den morgigen Tag ist gewaltig gestiegen.
Von Deia nach Soller
Beim Frühstück wird dem Wanderführer klargemacht, bei dem Sauwetter gehen wir nicht. Doch der Bus ist für 10 Uhr bestellt, der Wanderführer meint weil es ab 10 Uhr immer schönes Wetter gibt, selbst wenn die Regenwahrscheinlichkeit noch 60% beträgt. Natürlich ist der Tag schön geworden, weil Wanderführer ja für alles verantwortlich sind, eben auch für das Wetter! Am Hotel Es Moli wo einst für das deutsche Fernsehen die Serie: HOTEL PARADIES gedreht wurde, starten wir. In der Gasse Es Teix geht es hinunter in den unteren Teil des berühmten Künstlerdorfes. Kleine Häuser mit bunten Minivorgärten und die morgendliche Ruhe im Ort sind angenehm. Unser Weg hinauf zum Friedhof und der Kapelle führt durch die Gassen Vilipe Bauza, Costa Topa und Ramon Llul. Hier auf dem Friedhof, mit schönem Blick in die Calla Deia, ist der englische Dichter und Schriftsteller Robert Graves beerdigt. Weil der Friedhof klein ist und auf einer Felsformation liegt, geht das Gerücht, die Bestattung der Toten erfolge im Stehen. Die Kirche Sant Joan aus dem 18. Jahrhundert nutzt den alten Verteidigungsturm als Glockenturm. Am Ortsausgang treffen wir auf die Route der Steine die GR 221, den Weitwanderweg der von Sant Elm bis zum Cap Formentor verläuft; bis Soller werden wir diesem Wege folgen. Der Weg verläuft stetig abwärts, Konzentration ist wichtig, da der Regen seine Spuren hinterlassen hat und die teilweise glatten Steine ein Risiko bedeuten. Unten angelangt, ist eine Stippvisite der Bucht willkommen. Der Wanderführer meint es sind circa 200 Meter bis zur Bucht, er selber passt auf alle Rucksäcke auf. Bei der Rückkehr heißt es, eine schöne Bucht aber das waren fast 1000 Meter bis dahin. Antwort des Wanderführers: „Wenn ich 1000 Meter gesagt hätte, wäre keiner hingegangen und abends im Hotel hätte jemand gesagt; was ihr wart nicht in der Calla Deia!. Dann wäre der Wanderführer mal wieder untendurch gewesen“. Aufwärts auf dem Cami de sa Vinyeta, 300 Meter an der c710 entlang und dann sind wir auf dem Cami de Castello. Immer wieder einmal schauen und den Blick aufs blaue Meer genießen. Oberhalb von Lluc Alcari liegt Son Coll, hier wollten wir in einem Gehöft mit alter Ölmühle und Räumlichkeiten die aus dem 18. Jahrhundert stammen Pause machen. Leider ist alles verschlossen und niemand zu erreichen, schade. Wir entschließen uns bis zur Finca Cas Camundi weiter zu wandern und sind ziemlich sicher, das dort geöffnet ist, zumal der Wanderbetrieb wegen des guten Wetters zugenommen hat. Der Wettergott ist uns hold gewesen, so war dieser Tag wieder schön, frischer Orangensaft und ein Glas Vino Tinto sind die beste Voraussetzung sich auf morgen zu freuen. Auf unterschiedlichen Wegen geht es zum Hotel.
Hoteltour die Zweite.
Diese Tour ist identisch mit unsere Tour nach dem Ankunftstag.
Der Unterschied besteht darin, dass wir auf einem Grundstück der Hotelbesitzer, mit einem kleinen Haus und dem Blick auf das Tal von Soller bei gutem "Brotzeit Angebot" dem Pa amb Oli, uns sehr wohlgefühlt haben. Hier könnte ich es aushalten, haben einige verlauten lassen.
Die Abschiedsrunde.
Ein letztes Mal treffen wir uns am Mäuerchen, 10 Uhr geht es los. Am Composol vorbei, hinter der Ruine des Hotelkomplexes Rocamar steigen wir hinauf auf einem sehr steinigen Wege in Richtung des Geländes von Muleta Gran, Muleta heißt übrigens; kleiner Berg". Auf diesem Wege sind noch einmal Porto de Soller, die Bergkette der Tramuntana, aus anderem Blickwinkel zu betrachten, bei der Trinkpause befinden wir uns quasi auf heimatlichem Boden, erdgeschichtlich ist diese Insel etwa zur gleichen Zeit wie die Gladbacher Kalkmulde entstanden. Es gibt sogar die Möglichkeit, wie am Kahnweier in Refrath, Fossilien zu finden. Muleta Gran ist auf der Insel eines der ältesten Olivenanbaugebiete, die Bäume hier sollen einige hundert Jahre alt sein. Unser Gruppenfoto zeigt ein solches Exemplar, Experten sagen, dieser Baum sei mindestens tausend Jahre alt.
Wie ist es eigentlich mit dem Olivenöl? Im Frühjahr blühen die Bäume mit Blüten in gelblich/weißer Farbe. Wind und Regen mindern diese Pracht, so werden von ca.200 durch den Wind bestäubte Blüten letztlich nur 5 Oliven wachsen. Oktober/November sind die Früchte grün und werden in Salzlake konserviert. Dezember bis März werden sie reif und sind bräunlich/schwarz. Es gibt also keine grünen und schwarzen Oliven, sondern es handelt sich um einen Reifeprozess. Eine gute Ernte setzt eine intensive Pflege voraus. So kann ein Baum einen Ertrag von 300 kg. erbringen, etwa 4-5 kg Oliven ergeben einen Liter Öl. Der Baum liebt Licht und Wärme, seine Ansprüche an den Boden sind äußerst genügsam. Vor gut 6000 Jahren soll er sich von Kleinasien aus auf der Welt verbreitet haben, von China über Australien, Japan, Südafrika und die Länder Europas. Wer den Baum pflanzt, denkt an die Zukunft. Vom ersten bis siebten Jahr geht alles in das Wachstum, danach beginnt der Baum Früchte zutragen, ab dem fünfundzwanzigstem Lebensjahr ist er eine ertragreiche "Goldgrube", Öl ist wertvoll und damit Existenz sichernd. Der Großvater pflanzt den Baum für den Enkel, deshalb heißt der Olivenbaum auf Mallorca auch Enkelbaum. Die kaltgepressten Öle sind die qualitativ wertvollsten Öle.
An Muleta Gran vorbei treffen wir auf den Weg der Son Mico und das Cappelchen. Bald erreichen wir die Finca Cas Gamundi. Wanderführer werden zu Erpressern (Orangen auspressen), Kumpane zu Aufschneidern (Orangen zum Auspressen zerschneiden). Eine kleine Vesper mit Orangensaft, Vino Tinto, Hierbas und Zitronenlikör von der Fincabesitzerin, dazu schönes Wetter und Zeit für die Zeit es zu genießen.
Eine honorige Dankeslaudatio an den Wanderführer mit einem mehr als großzügigem Dankesgeschenk, eine gute Wandergemeinschaft die es verstanden hat den gestellten Herausforderungen mit Freude und gegenseitiger Hilfe zu begegnen. Den Rat oder die Empfehlung des Wanderführers anzunehmen und Vertrauen in die anderen Gruppenmitglieder zuhaben. Frisch auf für den Wecker um 5 Uhr am Samstag morgen, da gegen 6 Uhr der Bus für den Transfer zum Flughafen angekündigt ist.
Unserem Wanderführer Norbert Dietrich ein kräftiges
Frisch Auf
zur Galerie der zweiten Woche
Rainer Buth und
Hans Joachim Albrecht
zur Verfügung gestellt
Der Sonne entgegen, von Ost nach West mehr






