SGV Bergisch Gladbach
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Gerry Wanda  


„Fährmann hol über!!!”

von Gerry Wanda, 02.05.2010

Dienstag 20.April. Ein strahlender Morgen, als sich 44 wagemutige Wanderfreunde/innen um 9 Uhr auf dem Parkplatz Buchmühle treffen. Heute ist Abenteuer mit Karl-Heinz angesagt! Kein Gleitschirmfliegen, kein Bungee-Jumping, keine Wildwasserfahrt, kein Goldwaschen obwohl das Wanderziel dafür durchaus geeignet wäre. Nein, wir erklimmen auch keine Steilwand und dringen nicht in die Unterwelt vor. Unsere Herausforderung, für die wir bereit sein müssen alles zu geben, besteht in einer Flussüberquerung. Es geht zum Amazonas des Bergischen Landes. In schwindelnder Höhe werden wir die reißenden Stromschnellen bezwingen. Und das nicht irgendwie, sondern mit einer Schwebefähre.

Karl-Heinz Diefenbacher ist bei der Begrüßung in Schloss Burg an der Wupper, das freudige Erstaunen über die Vielzahl der Teilnehmer sichtlich anzumerken. Nach einem gemeinsamen Frisch Auf! geht unser Weg vom Parkplatz aus Richtung Schlossgelände. Durch das schwere Bogentor betreten wir das Innere der Burganlage.

Schloss Burg ist eine der größten wiederhergestellten Burganlagen Westdeutschlands. Ihre ursprüngliche Entstehung verdankt sie den Grafen von Berg. Der preußische Staat, als letzter Besitzer, ließ die um 1850 endgültig zur Ruine verfallene Anlage aus Geldmangel verkaufen. Erwerber war ein Verein. Was zunächst als "Verein zur Erhaltung der Schlossruine" gegründet wurde, konnte sich dank großzügiger Spenden bergischer Fabrikanten, schon nach kurzer Zeit in „Schlossbauverein“ umbenennen und mit dem Wiederaufbau beginnen. Die vollständigen Arbeiten waren 1914 abgeschlossen. Heute beherbergt die Burganlage eine Vielzahl von Geschäften, Restaurants, Hotels, das Bergische Museum, die „Gedenkstätte des Deutschen Ostens“, Veranstaltungsräumlichkeiten, etc.

Von Schloss Burg bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf das Bergische Land und Unterburg. Ein kleiner Ort mit vielen romantischen Fachwerkhäuschen, unmittelbar an der Wupper gelegen, den wir nach einem etwa viertelstündigen, teils steilem Abstieg erreichen.

Wir folgen der Müngstener Straße. Vorbei an der evangelischen Kirche Burg aus den Jahre 1732, führt unser Weg flussaufwärts. Ein Graureiher steht am anderen Ufer im Wasser der Wupper und wartet auf seine Chance. Gedanklich wünsche ich ihm ein „Petri Heil“. Die Gruppe hat sich mittlerweile auf mehrere, bei den Roten Funken würde man sagen „Knubbel“ und eine Länge von gut 200 Meter verteilt. Mir wird bewusst, dass ein Wanderführer mit den Eigenschaften eines erfahrenen Border-Collie gut bedient wäre. Von vorne über die Mitte nach hinten und zurück ist seine Aufmerksamkeit gefordert. An der ein oder anderen Steigung rückt die Herde wieder leicht zusammen, aber nur, um sich danach gleich wieder aufzulösen. Nach wie vor begleiten wir die Wupper. Mal mehr, mal weniger tief unter uns fließt sie dahin.

 In leichtem Dunst taucht er vor uns auf. Der Wendepunkt unserer Rundwanderung. Die Müngstener Brücke. Erbaut in den Jahren 1893 – 97, überspannt die z.Z. höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands die Wupper in max. 107m Höhe, auf einer Länge von 465m und verbindet die Städte Remscheid und Solingen. Der Bau der Brücke stellte zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Meisterleistung dar, die in ihrer hochtechnisierten Konstruktion und Realisierung bereits während der Bauphase die Menschen magisch anzog. Schnell entstanden im Zusammenhang mit dem Bauwerk Mythen und Legenden, die sich bis in die heutigen Tage in zahlreichen Köpfen als wahre Geschichten erhalten haben. Eine dieser Legenden ist die des goldenen Niets, der angeblich als letzter geschlagen wurde, aber bis heute nicht gefunden wurde. Das ist auch kein Wunder, gibt es ihn doch am Andenkenbüdchen als Schlüsselanhänger zu kaufen.


Ein weiterer Mythos ist die angebliche Fehlberechnung der Brücke durch den Baumeister Anton von Rieppel und deren vermeintliche Folgen. Während der eine Mythos davon spricht, dass eine Hälfte der von beiden Seiten zugleich gebauten Brücke wieder abgerissen werden musste, da sie nicht in der Mitte zusammenpassten, spricht die andere Legende davon, dass von Rieppel bei Nachberechnungen fälschlicherweise feststellte, dass die Hälften sich nicht zusammenfügen lassen werden und sich aus Scham darüber von der unfertigen Brücke in den Tod stürzte. Beide Legenden sind falsch, werden aber bis heute überliefert. Alle Berechnungen waren nachweislich den Konstruktionszeichnungen und -berechnungen von Anfang an vollkommen korrekt und Anton von Rieppels Leben endete 1927 nach schwerer Krankheit, also 30 Jahre nach planmäßiger Vollendung der Brücke.

Nach einigen Flussbiegungen erreichen wir den Fuß dieses eindrucksvollen Bauwerks. Der hier 2006 angelegte Brückenpark mit seiner Auenlandschaft lädt zu einer Rast ein. Und man kann sich schon einmal die Hauptattraktion des Parks ansehen. Die handbetriebene Schwebefähre!! Ein für 10 Personen zugelassener Stahlkorb, der auf 2 in schwindelnder Höhe über die brodelnden Fluten der Wupper gespannten Stahlseile, mittels einer Draisine von einem Ufer zum anderen bewegt wird. Mit ihr werden wir nach Ende der Rast die Flussseite wechseln und unseren Rückweg antreten. Dann heißt es: „Fährmann hol über!“ Wir 44 Personen stellen den Fährmann vor eine echte Herausforderung; würde das doch 10 Fahrten bedeuten. Das Problem ist schnell vom Tisch, in dem er Pi mal Daumen unser Gewicht schätzt und so auf eine deutlich höhere Beförderungskapazität kommt. Wehmütig winken die Passagiere von Bord den Zurückbleibenden zu. Ludger hat das wohl mal beim Traumschiff gesehen, bei Grete ist es mehr Titanic-Feeling. Armand haut mächtig in den Antrieb, während sich Rainer ängstlich an die Reling klammert. Ohne nennenswerten Zwischenfall erreichen wir das andere Ufer. Wir folgen der Wupper flussabwärts in Richtung Unterburg. Jetzt, gegen 13 Uhr ist auch die Seilbahn in Betrieb. Sie ermöglicht einen bequemen Aufstieg per Sessellift nach Schloss Burg. Rund die Hälfte unserer Wandergruppe lässt sich dieses Erlebnis nicht entgehen.

Von der oberen Sesselliftstation trennen uns nur noch wenige Schritte bis zur „Schönen Aussicht“, dem Ort unserer Einkehr. Dieses Restaurant ist ein typischer Touriladen. Die Bedienung pflegt nicht nur uns gegenüber eine etwas rustikale Gästeansprache. Etwa 1 1/2 Stunde muss die Vorfreude auf das Essen schon anhalten und dann ist es geschmacklich auch noch „Ihr kommt sowieso nicht wieder“ ausgerichtet. Das Essen wird recht behalten! Übereinstimmende Meinung für das Preis- Leistungsverhältnis: ein dickes Minus.

Leider bröselte m.E. schon während der Einkehr der Gruppengedanke. Wer fertig mit essen war, stand auf und zog von dannen, Richtung Heimat. Schade, dass an Karl-Heinz seitens der Gruppe vor Ort, nicht einmal einige Worte der Anerkennung gerichtet wurden.

 

Karl-Heinz Diefenbacher, ich hoffe auf einige Sympatisanten hinter mir, wenn ich Dir sage:
"Dir ist eine schöne, gut organisierte, abwechslungsreiche und kurzweilige Wanderung gelungen."
An dieser Stelle ein
großes Dankeschön und ein herzliches:


Frisch Auf !“


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  Die Bilder wurden von unserem Wanderfreund
Norbert Grätz
zur Verfügung gestellt


 

 

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