„Es geht kein Flug
nach Nirgendwo”
von Gerry Wanda, 26.04.2010
Für Sonntag, den 18. April lädt unser Wanderfreund Armand De Busscher zu einer Flachlandetappe ein. Er wird als Wanderführer die Gruppe durch die Wahner Heide führen. Das Thema der Wanderung: „Nördlich von Start- und Landebahn“, lässt schon den Ausgangspunkt erahnen. Genau, es ist Porz-Grengel, ein Parkplatz, ganz in der Nähe des Gestüts Röttgen am Porzer Weg. Bei strahlendem Sonnenschein und einer
Temperatur um die 19°, trifft der Tross von Fahrzeugen, mit 16 Wanderfreunden/innen und einem Hundemädchen an Bord ein. Nach einer kurzen Begrüßung durch Armand machen wir uns auf den (angekündigten) 14 Km langen Weg.
Wir sind nicht alleine. Eine Vielzahl von Spaziergängern und Radfahrern zieht die Besonderheit der herrschenden Ausnahmesituation hierher. Denn - entgegen sonstigen Emissionsbedingungen dieser Gegend, ist heute alles ganz anders. Es herrscht himmlische Ruhe!! War doch vor einigen Tagen in Island der Vulkan Eyjafjalla ausgebrochen und hatte mit seiner Aschewolke den gesamten europäischen Luftraum lahmgelegt. Die einzige, sich schnell verlierende, Geräuschkulisse kommt von den Motörchen einer Hand voll Sportflugzeuge.
Die Wahner Heide, zwischen den Städten Köln, Rösrath, Lohmar und Troisdorf liegend, umfasst eine Fläche von ca. 2.900 ha.. Von je her wurde sie militärisch genutzt und führte zu preußischer Zeit die Bezeichnung Schießplatz Wahn. Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg diente sie als Truppenübungsplatz, Flugfeld und Kriegsgefangenenlager. Seit Abzug der belgischen Streitkräfte ist sie als Naturschutzgebiet ausgewiesen, in dessen Mitte sich der Konrad Adenauer Flughafen Köln-Bonn befindet. An die 700 vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten soll die Wahner Heide beheimaten. Relikte der ehemaligen Nutzung machen ein Verlassen der gekennzeichneten und freigegebenen Wege lebensgefährlich. Überall weisen Warntafeln auf das mögliche Vorkommen scharfer Munition hin.
Armand, der als Angehöriger der belgischen Streitkräfte hier selbst einmal stationiert war, führt uns zur Verladerampe, von der die Militärzüge mit Waffensysteme und Fahrzeuge bestückt wurden. Heute liegen Rampe und Schienen, vom Unkraut überwuchert, als Brachgelände da.
Weiter führt unser Weg. Wir erreichen einen traurigen Punkt deutscher Geschichte. Ein Gedenkstein erinnert, dass sich hier im Zweiten Weltkrieg das Kriegsgefangenenlager Hoffnungsthal (klingt fast zynisch) befand. Viele Menschen wurden darin Opfer von Hunger, Krankheit oder Gewalt. 112 von ihnen fanden auf dem angrenzenden Friedhof ihre letzte Ruhestätte.
Im weiteren Verlauf kommen wir dem Flughafen näher. Hier, wo sonst reges Treiben herrscht, keine Spur von Geschäftigkeit. Geradezu bleiern wirken die Maschinen auf ihren Parkpositionen. Der kurz gehaltene Bewuchs der Einflugschneise gibt einen guten Blick auf den Runway 06 / 24, die sogenannte Querwindbahn, frei.
Unser Kurs ist, wieder weg vom Flughafen, in Nord-Nordöstliche Richtung angelegt. Gut 2 ½ Stunden sind wir unterwegs, bevor wir unsere 2., etwas längere Rast einlegen. Armand gibt zu erkennen, dass diese Rast etwa die Hälfte unserer Wegstrecke markiert; aber nur, wenn er den Weg abkürzt. Ein Schrittzählervergleich macht deutlich; alle hatten bereits jetzt so um die 9 Km auf dem Tacho – und das ist erst die Hälfte und dann auch nur wenn wir abkürzen?? Armand amüsiert sich köstlich! Bei der Aussicht, dass es auch locker über 20 Km werden können, stimmen wir schweren Herzens dem Abkürzungsvorschlag zu. Vorbei an einem Gehege in dem 2 Esel grasen (leider die einzigen Tiere, die wir heute sehen), geht unser Weg, auf teilweise bereits bekannter Strecke zurück zu den Autos.
Es war eine schöne, etwas über 5 Stunden dauernde Tour. Die meist schnurgerade verlaufenden Wege bieten wenig Abwechslung. Die Wahner Heide ist sicherlich um ein Vielfaches schöner und abwechslungsreicher wenn sie Ende August – Anfang September blüht oder mehr Tiere zu sehen sind. Diesen Zeitraum sollte man im Auge behalten. Dann geht bestimmt wieder ein Flug nach Irgendwo?!
Armand, es war eine schöne Wanderung.
Von hier aus vielen Dank und ein herzliches
Frisch Auf.
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Die Bilder wurden von unserem Wanderfreund
Norbert Grätz
zur Verfügung gestellt
Der Sonne entgegen, von Ost nach West mehr






