SGV Bergisch Gladbach
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Gerry Wanda
Eifgenbachtal; wildromantisch

von Gerry Wanda, 21.03.2010

Seit 6 Tagen verfolge ich die Wetterprognose für den 18.März. Ob Fernsehen, Radio, Internet; alle Wetterfrösche sind sich einig. Sonne pur, Temperaturen um, teilweise über 16°. Es soll der wärmste Tag der Woche werden.

Lange vor dem Wecker bin ich wach. Es dämmert. Nach Morgentoilette und Frühstücksvorbereitung erblicke ich ihn; den Planeten, der für den heutigen Tag wetterbestimmend sein soll. Die Sonne geht auf!

Angesagter Treffpunkt: Buchmühle, 9 Uhr! 23 Wanderfreunde/innen sind versammelt. Der Leader kommt als letzter. Anton Meier begrüßtAnton Meier alle Teilnehmer/innen, freut sich über die Größe der Gruppe und erklärt kurz den Anfahrtsweg zu unserem eigentlichen Startpunkt in Dabringhausen: „wir treffen uns auf dem Parkplatz am Friedhof, ohne dass wir mit diesem Ort eine besondere Absicht verbinden“, sagt Anton. Die Fahrgemeinschaften sind schnell gefunden, alles einsteigen, fasten seat-belt und Abfahrt. Hebborn, Odenthal, Altenberg, Bremen, Dabringhausen. Einparken und Absitzen! Erneut kurze Begrüßung, Briefing über die bevorstehende Tour („.. wir werden das wildromantische Eifgenbachtal durchwandern ....“) und die Einkehr in der Rausmühle. Ein Frisch auf und los geht’s.

Den Friedhof lassen wir rechts liegen und folgen einem leicht abfallenden breiten Weg durch eine, wahrscheinlich durch die stürmischen Unwetter der letzten Wochen gerodete Fläche. Was noch steht ist ein Hochstand, der den Stürmen getrotzt haben muss.

Wir gehen weiter als mein Nachbar zu mir sagt: „Du, als wir das letzte Mal hier gewandert sind, hatte Toni einen verkehrten Weg eingeschlagen und dann ging´s plötzlich einen echt steilen Abhang ´runter“. Er hatte kaum ausgesprochen, da sind wir auch schon da.

Skeptische Blicke in den Augen, in einigen Gesichtern erste Verweigerungsgesten. Die Gruppe überzeugt durch Entschlossenheit und Hilfsbereitschaft. Wo immer eine helfende Hand oder ein stützender Arm benötigt wird, ist Hilfe zur Stelle. Diese erste schwierige Passage bewältigen wir unbeschadet. Bewußt erste schwierige Passage, denn weitere sollten folgen. Umgestürzte, entwurzelte Bäume müssen umgangen werden. Die Vielzahl der Sturmschäden zwingt uns in eine andere Richtung als vorgesehen. In teils gebückter Haltung durchstreifen wir den Tann auf streckenweise recht rutschigem Untergrund. Der Eifgenbach fließt unter uns. Kein Steg oder Brücke in Sicht. Der Weg ist das Ziel. Quo vadis, Anton?

Wir ziehen mit dem Eifgenbach flußabwärts und stoßen nach einigen hundert Metern auf die Kreisstrasse 18. Auf ihr überqueren wir den Eifgenbach gefahrlos. Es sieht aus, als haben wir den wilden Teil des Eifgenbachtals hinter uns. Jetzt muss wohl der romantische kommen. Unmittelbar hinter der Brücke biegen wir rechts in den Waldweg, der bereits vom Namen her das Ziel unserer späteren Einkehr vermittelt: Rausmühle. Nach kurzer Wegstrecke haben wir sie im Blick.

Es ist eine Wassermühle aus dem frühen 16. Jhd. Man vermutet die Grundsteinlegung im Jahre 1500. Genaue Jahreszahlen sind nicht bekannt, da 1758 eine große Feuersbrunst ganz Wermelskirchen, mit Ausnahme der Kirche in Asche legte und dadurch alle Aufzeichnungen und Dokumente vernichtet wurden. Die Rausmühle wurde zunächst als Frucht- und Getreidemühle betrieben. Etwa ab 1750 kam eine Bäckerei hinzu, die später um eine Gartenwirtschaft mit Kaffeeausschank erweitert wurde. Seit Anfang 1960 wird die Mühle als Schankwirtschaft und Speisegaststätte geführt.

Das Restaurant strahlt ein gepflegt rustikales Ambiente aus. Die Speisekarte läßt kleine preiswerte Gerichte vermissen. Die angebotenen Gerichte sind im gehobenen Preissegment angesiedelt. Am Preis- Leistungsverhältnis sollte m.E. nachgebessert werden. Alle gängigen Kreditkarten werden akzeptiert.

Das Restaurant hat offiziell noch geschlossen, bietet uns aber die Möglichkeit einer kurzen Rast auf der Terrasse und die Nutzung der Sozialräume. Wir nutzen die Gelegenheit zu einer kleinen Stärkung. Fast ausnahmslos wird ein Platz in der Sonne bevorzugt genossen. Nach einem gemeinsamen Lied, auf der Mundharmonika von Anni Lauhoff begleitet, geht es weiter.

Immer an Eifgenbach entlang. Das Wasser glitzert in der Sonne. Beruhigend rauschend schlängelt es sich durch Wald und Wiesen. Teilt sich, umfließt kleine Inseln um sich dann wieder zu vereinen. Überall von den Hängen fließen weitere kleine Bäche dem Eifgenbach zu. Es ist angenehm warm geworden. Einige Anoraks verschwinden im Rucksack andere werden um die Hüfte gebunden. In der Luft liegt eine herrlich frische, unbeschreibliche Duftmischung.

Der Hauptweg endet an einer Weggabelung. Weiter geht es eigentlich nicht. Der linke Weg ist wegen Windbruch gesperrt, der Rechte mündet bei der ca. 500 m entfernten Neuen Mühle, die als Pfannkuchenmühle betrieben wird. Wer möchte kann ein Stück weiter gehen und möge in einer halben Stunde zurück sein.

Pünktlich ist die Gruppe wieder komplett. Mit einem Frühlingsgedicht von Friedrich-Wilhelm Weber (1813 – 1884) outet sich Anton Meier als Ur- Urenkel des Dichters, bevor wir den Rückweg in Richtung Rausmühle zur Einkehr antreten.

Ausgeruht, gestärkt, sonnenverwöhnt und frühlingsbetankt streben wir nach einer guten Stunde 1 ½ Km bergauf unseren Fahrzeugen entgegen. Auf dem Parkplatz richtet Dieter Schneppensiefen einige Worte des Dankes an Anton Meier, der uns das Eifgenbachtal einmal wild, einmal romantisch näher gebracht hat. Die Gruppe schließt sich dem an:

 „Frisch auf, Frisch auf, Frisch auf“!

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Die Bilder wurden von unserem Wanderfreund
Norbert Grätz
zur Verfügung gestellt

 


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