Wenn der Winter langsam weicht
von Gerry Wanda, 02.03.2010
Samstag, 27. Februar 2010, 9 Uhr, Parkplatz Buchmühle. Obwohl einem Sprichwort nach, einem Morgenrot kein schöner Tag folgen soll, so war es doch der erste trockene Morgen in dieser Woche. Der Schnee war, zumindest in den tieferen Lagen weggeschmolzen. Warum sollte also der Himmel im Laufe des Tages nicht lachen, wenn sich Bill Gerke mit 17 Wanderengeln auf den Weg macht, um nach ein wenig Frühling Ausschau zu halten? Nach kurzer Begrüßung, Anwesenheitsfeststellung und Bekanntgabe des Ausgangspunktes wurde wieder in die PKW gestiegen und los ging´s.
Der Autotross setzte sich in Bewegung. Bensberg, Untereschbach, Steinenbrück und weiter über den Heiligenhauser Berg. Nach dem Geschwindigkeitsauswahlprinzip wurde hier von einem Wanderfreund bereits der 1. Schnappschuss gemacht.
Ausgangspunkt war der Park & Ride Parkplatz hinter dem Bahnhof Overath. Frisch auf, rechts über die Agger. Der erste kleine Anstieg führte hinauf zum Rittberg. Wir überquerten die Mucher Straße und folgten einem ansteigenden Waldweg mit deutlich sichtbaren Schneebruchschäden.
Dann ein kurzer Halt. Wer mit Bill wandert, läuft nicht nur, begleitet von den eigenen Eindrücken durch Wald und Flur. Unser Hobbygeologe hat immer etwas Interessantes und Wissenswertes über die jeweilige Landschaft zu berichten. Anhand des Beispiels eines zusammengeschobenen Tischtuches bekamen wir verdeutlicht, dass wir uns gerade in einer Falte befanden, die die Verschiebung der Erdplatten hier hinterlassen hat. Das war erst vor rund 90.000.000 Jahren. Liegt also in der erdgeschichtlichen Zeitrechnung gar nicht so weit zurück. Es ist immer wieder faszinierend. Bill erzählt plastisch und augenzeugengleich über diese Zeitspannen, als wäre es zwischen voriger Woche und gestern gewesen.
Einem kurzen, etwas steileren Anstieg folgte eine Verschnauf- und Trinkpause. Nun noch ein paar Meter, dann rechts ab eine leichte Steigung hinauf und schon bot sich ein Ausblick, wie man ihn nur von oben geboten bekommt. Links zwischen den Bäumen hindurch Overath und rechts Marialinden. Dieses Städtchen ist eng verknüpft mit der alten Brüderstrasse (Strasse der pilgernden Bruderschaften und Pilgern). Der heutige Straßenname Pilgerstraße verdeutlicht diese geschichtliche Verbundenheit. Sie war früher ebenso eine wichtige Handels- und Erzabfuhrstrasse zwischen Köln und Siegen sowie dem weiteren Umland. An dieser Straße entwickelte sich Marialinden zu einem Gast- und Rastplatz nach einem beschwerlichem Aufstieg von Overath. Bis in die 20er Jahre gab es 7 Gaststätten rund um die Kirche.
Der Historie verbunden, machten auch wir Rast vor dem Marialindener Dom, der doppeltürmigen Kirche St. Maria Heimsuchung. Die Wallfahrtskirche wurde nach 1515 an der Stelle des Heiligenhäuschens errichtet in dem Reisende spätestens seit 1400 das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Gottes verehrten. Zunächst ohne Turm als dreischiffige gestufte westfälische Hallenkirche mit 3 Jochen erbaut, wurde sie Ende des 19. Jh., nachdem sie Pfarrkirche geworden war um 1 Joch vergrößert und erhielt die charakteristische Doppelturmanlage (Marialindener Dom). Leider konnte die beabsichtigte Besichtigung nicht stattfinden und so beschränkte sich Bill darauf, uns einige Schönheiten und Kunstwerke wie z.B. die Deckenausmalungen, die Gnadenbilder, Bilder des Kreuzweges und den Felsenaltar aus der Propstei St. Cyriax, an Hand eines kleinen illustrierten Kirchenführers vorzustellen.
Wir verließen Marialinden in Richtung „Hotel Zur Sonne“. Nun ging es bergab. Der Frost hatte den Waldboden verlassen und die Wege zeigten, wie viel Matsch in ihnen steckte. Kleine Bäche begleiteten unseren Weg und über einen optisch faszinierenden Abstieg führte unsere Route Richtung Lölsberg. Der Himmel lächelte und die Sonne hatte uns entdeckt. Erneut bot sich ein schöner Blick auf Overath. Noch eine Rast, bevor es zum letzten Abschnitt unserer Wanderung mit einem weiteren Besichtigungspunkt geht. Der ehemaligen Propstei St. Cyriax.
Diese wurde 1256 vom Abt des Siegburger Benediktinerklosters gegründet, 1803 säkularisiert und befindet sich seit 1829 im Privatbeitz. Mit der Säkularisierung wurden verschiedene Gebäude umgebaut, anders genutzt, abgerissen oder ersetzt. Der barocke Altar dieser Propstei befindet sich heute in der Kirche St. Maria Heimsuchung in Marialinden. Erhalten ist noch das nördliche Wohngebäude aus dem 17 Jh. mit dem über dem Portal befindlichen Wappen des letzten Propstes Rudolfus von Falkenstein.
Das letzte Stück unseres Weges führte uns an diversen Frühlingsboten vorbei, rechtsseitig der Agger flußaufwärts. Auf einer hölzernen Fußgängerbrücke überquerten wir den Fluß und waren nach wenigen hundert Metern am Standplatz unserer Fahrzeuge angelangt. Wir hatten ein Stück Frühling gefunden.
Die richtigen Abschlussworte fand Ulrich Lange: „Es war eine prima organisierte Wanderung! Bill hat mit seinen geologische und geschichtlichen Erläuterungen viel Interessantes ´rüberbringen können! Er muss einen heißen Draht zum Petrus haben! Vielen Dank an Ingrid und Bill Gerke für diesen gelungenen Wandertag!!“
Diesen Worten konnte sich die Gruppe mit einem
3-fachen Frisch auf!
nur anschließen.
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Norbert Grätz
zur Verfügung gestellt
Der Sonne entgegen, von Ost nach West mehr






