
Ene Schullstund wie zo Kaisers Zigge
von Gerry Wanda 19.01.2010
Also lautet ein Beschluß:
Daß der Mensch was lernen muß!
(W. Busch)
Daß der Mensch was lernen muß!
(W. Busch)
Ävver nit nur en d´r Kayjass Nummer Null steit en steinahl Schull, sondern och en d´r Kempener Strooß 187 en Gläbbisch-Schildchen.
Dort befindet sich ein Schulgebäude dessen Ursprung im 19. Jahrhundert liegt und das Schulmuseum-Katterbach beheimatet.
Als Schulrat des Rheinisch Bergischen Kreises begann Carl Cüppers (*1920 - †2008) 1968 mit der Sammlung nicht mehr benötigten Schulmobiliars, Lehr- und Lernmittel, Bücher, Zeugnishefte, Wandbilder etc. und bewahrte die Gegenstände somit vor Sperrmüll und Vernichtung. Es war die Zeit, als in den ländlichen Gebieten die einklassigen Volksschulen zugunsten neu gebildeter Schulzentren aufgelöst wurden. Im Laufe der Jahre haben sich so Tausende von Exponate zu einer der bedeutendsten schulgeschichtlichen Sammlung Deutschlands entwickelt.
Hierhin, gewürzt mit einer Schulstunde aus Kaisers Zeiten, sollte uns unsere Wanderung am 17. Januar 2010 führen. Nun ist einerseits Sonntag kein ausgesprochener Schultag, andererseits waren die Teilnehmer den aktiven Grundschuljahrgängen auch mittlerweile entwachsen. Also machten sich jäjen veedel noh nüng 31 Spätlesepennäler unter Führung von Marlies und Horst Kanter auf den Weg, Relikte eines Schulzeitalters zu besichtigen, das sie allenfalls aus urgroß- oder großelterlichen Erzählungen kennen.
Das Wetter dieses Sonntags war alles andere als Kaiserwetter. Es war von Schauern durchsetzt, die sich nicht die geringste Pause gönnten und die Intensität würde sommers jeden Schrebergartenbesitzer erfreuen. Des Weiteren hatte es über Nacht geschneit aber bei +5°- 6° Tauwetter eingesetzt. Wie so oft im Leben, hatte der Herrgott vor den Erfolg den Schweiß gesetzt. Die Hoffnung einiger, wegen des Wetters mit der Schulbesichtigung zu beginnen, erfüllte sich terminlich nicht. Sie sollte krönender Abschluss sein und bleiben.
Also „Frisch auf!“ ab Parkplatz Schule in Richtung Katterbach, Dünnwald. Die Tiere der dortigen Wildgehege konnten sich mit den meteorologischen Begebenheiten nicht so richtig anfreunden. Sie hatten sich untergestellt und beäugten uns Schar vorbeiziehender bunter Regenschirme und Anoraks. Das Waldbad Dünnwald links liegen lassend, überquerten wir den Kalkweg. Am Höhenfelder See; Zeit für eine kleine Stärkung und einen von Horst spendierten Kräuterschnaps.
Weiter durch den Wald in Richtung Paffrath. Plötzlich: „Alles Stopp!“. Da fehlen doch 2 Wanderfreunde! Nach einer guten halben Stunde waren auch diese wieder bei der Gruppe. Erneut vollzählig konnte es nun unserem nächsten Ziel entgegengehen. Vorbei an Diepeschrather Mühle, Pferdehof und Kombibad Paffrath zum dortigen Kartoffelhaus. Triefend hielten wir Einzug. Man hielt für uns ein Sälchen vor und bei schmackhaftem Essen, kalten und warmen Getränken tat es gut, Anoraks und Regenschirmen die Möglichkeit zum Abtropfen geben zu können.
Gestärkt nahmen wir unsere letzte Etappe in Angriff. Ein Stück die Borngasse zurück und dann rechts ab über den Herkenfelder Weg in Richtung Schulmuseum.
Wie in den meisten Schulen wäre unser Fehlen bemerkt worden, denn wir wurden erwartet. In 2-er Reihe aufgestellt, Knaben vorne, Mädchen hinten wurde der Klassenraum betreten. Drinnen Nostalgie pur. Ein Lehrerpult, wie man es aus der Feuerzangenbowle kennt, Schulbänke mit in den Tischen eingelassenem Tintenfässchen, Gussofen, auf den Glasvitrinen ausgestopfte Tiere für den Naturkundeunterricht, Harmonium, Waschgestell mit Schüssel und Wasserkanne, Spucknapf, Lehrer-Lempel-Pfeife. An der Wand Bilder vom Kaiserpaar (Wilhelm II und Auguste Viktoria), preußische Fahnen, Karten vom deutschen Kaiserreich und der Rheinprovinz. Ebenso zeitgenössisch stilecht: das Fräulein Lehrerin. Eine hochgeschlossene, ganz in lebhaftem Schwarz gekleidete Dame im Spättwenalter, mit knöchellangem Rock.
Nach Begrüßung und Erklärung zur Entstehung und Historie des Museums schlüpfte unsere Moderatorin in die Rolle des strengen Fräuleins Lehrerin. Gekonnt akzentuiert versetzte sie uns in eine Naturkundestunde aus Kaisers Zeiten. Wie das bei Lehrers so ist, merken die sofort eine mentale Exkursion ihrer Schüler. Prompt musste ich bei einer Frage des Fräuleins Lehrerin meinen Mut zur Lücke bekennen. Ansonsten geizte sie weder mit Lob noch mit Tadel und so lagen Fleißkärtchen und Rohrstock dicht beieinander. Mit der 1. Strophe des Kaiserliedes und einem Gebet schloss die Schulstunde.
Horst bedankte sich im Namen der Gruppe, die sich mit einem 3-fachen Frisch auf! den Worten anschloss.
Mit der Vorfreude auf eine heiße Dusche oder ein heißes Bad verabschiedeten sich die Teilnehmer.
Nicht ohne einen herzlichen Dank an
Marlies und Horst Kanter
für diese prima organisierte Wanderung zu richten.
zur Galerie
Marlies und Horst Kanter
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Die Bilder wurden von unserem Wanderfreund
Norbert Grätz
zur Verfügung gestellt
Veranstaltungen / Termine
Samstag, 11. September 2010
Der Sonne entgegen, von Ost nach West mehr
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